Der Verlust eines Tieres kann ebenso schmerzhaft sein wie der Verlust eines Menschen. Je nachdem was jemand in seinem Leben erfahren hat – von Mensch und Tier. Wirklich nachvollziehen kann das nur jemand, der sein Leben mit Vierbeinern teilt.
Vor drei Tagen musste unsere Seniorin im Stall nach ständigem Auf und Ab eingeschläfert werden. Lange schon machten ihr Chips schmerzhaft Probleme. Mal lief sie temperamentvoll kleinere Runde durch das Gelände, als wollte sie jedem zeigen, wie gut sie drauf ist, dann wollte sie kaum einen Schritt vor den anderen tun. Die Besitzer ließen sie mit großem Aufwand operieren. Immerhin war jeder Versuch sie schmerzfrei zu bekommen, nach 25 gemeinsamen Jahren nur verständlich. Die Operation verlief gut, die immer so kritische Aufwachphase ebenso. Einige Wochen vergingen, in der die Stute immer wieder Rückschläge hatte. Vor drei Tagen dann der gemeinsame Entschluss, sie gehen zu lassen. Sie wurde im Beisein ihrer Besitzer sediert und dann eingeschläfert.
Viele Menschen nehmen hier Reißaus und ich frage mich, wie ich reagieren würde.
Heute sage ich: So brutal es auf uns Menschen wirkt – das Zusammenklappen dieses herrlichen stolzen Tieres Pferd, das Zucken bis zum endgültigen Exitus – so sind wir es unserem Kameraden doch schuldig ihm beizustehen. Das klingt fürchterlich menschlich, aber das ist es doch auch, was uns Menschen ausmacht: die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden.
Ich möchte in seiner letzten Stunde bei meinem Pferd sein, wie ich es auch die ganzen Jahre hindurch begleitet habe. Und ich bin überzeugt davon, dass das Pferd dies auch spürt. Das mag vermenschlichend wirken. Aber was maßen sich manche an, zu meinen, wir dürfen im Kontakt mit Tieren nicht „menscheln“?
Es gibt Situationen zwischen mir und meinem Pferd, die besonders sind. Da fühle ich eine innige Vertrautheit und Übereinkunft und das ist wunderschön.
Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren wurde im Umgang mit dem Pferd so viel von Konsequenz und Dominanz gesprochen, dass es mir zum Hals heraushängt, weil es viele als Freibrief für Gewalt und übertriebene Härte betrachteten. Klar, darf mein Pferd niemanden umrennen, steigen, beißen etc. etc. Aber habt ihr schon einmal gesehen, wie einige richtig große Pferdemenschen mit ihren Tieren umgehen: Die armen Zausel werden fast liebevoll totgequatscht… Wobei wir wieder beim Thema wären.

Wir sind unseren Pferden ein paar Dinge schuldig:
1. Den von Achtung und Respekt geprägten Umgang mit der entsprechenden Haltungsform.
2. Den richtigen Zeitpunkt, Abschied zu nehmen (nicht das Tier so lange fit spritzen, nur weil man selber nicht loslassen mag).
3. Die Begleitung in den Tod.
Die meisten unserer Freizeitpartner werden vermutlich erst sediert und dann eingeschläfert. Andere bevorzugen den Bolzenschuss. Da müssen wohl Bauch und Kopf entscheiden. Meiner wird mal einschlafen dürfen. Aber das ist hoffentlich noch lange, lange nicht soweit.

