2. Oktober 2011
In der Zeit als unsere Motte entlaufen war, habe ich für mich nahezu täglich aufgeschrieben, was es Neues gab, wo sie gesichtet wurde, wann und ob sie Futterstellen besucht hatte etc. Dieses Protokoll der Hoffnung und Resignation habe ich mir gestern erst wieder durchgelesen: 7 Monate war sie weg. Vier Wochen lang war sie ca. 20 km abgewandert – doch sie kehrte zurück in unser Gebiet, in unser Dorf, an den Stall, wo mein Pferd steht und wo ich sie dann Monate lang jeden Abend fütterte und beobachtete. Drei Mal hatten wir Tierrettungs-Profis da, die leider erfolglos waren. Ein Mal löste sie sogar eine Falle aus. Sie entkam, weil die Tür schräg in die Führung fiel und verkantete.

Doch sie kam wieder: Die zuverlässige Futterstelle stillte ihren größten Hunger und das ohne Anstrengung.
Dann bat ich meinen Mann einen andere, massivere Falle, die wir uns Monate vorher vom Tierheim München ausgeliehen hatten, erneut aufzustellen. Eine Falle, von der die Tierrettung sagte, kein Hund würde sie auslösen, weil das Fleisch von einem Haken gezogen werden muss. Doch das Tierheim hatte die Falle ja nicht grundlos… Wir stellten sie auf. Ohne Tür. Das Futter in der Nähe platziert, sollte sich Motte erst an das Teil gewöhnen, dass sie bereits von unserem Garten kannte (wo wir ebenfalls eine Zeitlang Futter ausgelegt hatten). Tag für Tag legte ich immer ein paar Futterbrocken auf den Fallenboden – die am nächsten Morgen verschwunden waren. Das musste meine Motte gewesen sein. Aus stundelanger Beobachtung in der Nacht wusste ich inzwischen, was die Katzen fraßen und was sie.
Am 8. Juli – eine Woche nachdem wir die Falle aufgestellt hatten – gab ich einem Impuls nach, hing eine dicke Beinscheibe an den Haken der Falle, setzte die Falltür ein und machte die Falle scharf. Heute Nacht muss es klappen. Doch wir hatten in den vergangenen Monaten schon so viele Rückschläge mit beiden Fallen erlebt (eine versagte, die andere wurde nice betretetn), dass ich gar nicht mehr hoffen wollte.
Motte kam. Sie fand außerhalb der Fall nichts Essbares und verschwand wieder. Ich beobachtete sie, wie so oft vom Auto aus und beschloss heimzufahren und gegen Mitternacht die Falle erneut zu prüfen und zu entschärfen, falls sie nicht da war.
Ca. 23.50 Uhr fuhr ich zum Stall. Der Kegel des Scheinwerferlichts erfasste eine Bewegung in der Falle. Ich zwang mich zur Ruhe. Vielleicht war es nur der Fuchs, den ich schon so oft nachts gesehen habe… Ich fuhr weiter, bis zur Falle und ich konnte nicht glauben, dass es jetzt wirklich soweit sein sollte: In der Falle erblickte ich meine Motte. Ich stieg aus dem Auto und hörte sie heulen. Sie verstummte als ich vor der Falle stand. Ganz vorne an der Tür stand sie: Ohne Angst, ohne Aggression. Ich war platt! Der erste Anruf galt meinem Mann zuhause, der es auch nicht fassen konnte, dass der lang ersehnte Moment jetzt endlich da war. Der zweite Anruf war das Tierheim Dachau, die mir sofort zwei Leute mit Transporter vorbei schickten. Ich wollte nicht das Risiko eingehen, sie versuchen in der Falle anzuleinen. Wie schnell wäre sie wieder fort… (Das habe ich von den Tierrettern gelernt – das Geld hatte sich also doch gelohnt)
Die Tierschützer packten sie mit Falle und mir auf die Ladefläche, fuhren mich heim und gemeinsam packten wir Falle mit Motte ins Wohnzimmer.

Unser Setter-Mix Private, der erst zwei Monate bei uns war, schien nicht begeistert über die Konkurrenz. Er hatte eigentlich einen Exklusivvertrag – so meinte er. Beide Hunde taten sich jedoch nichts. Und auch uns gegenüber war der Wildling ohne jeden Groll. Motte bekam noch Futter und zog sich dann zurück.
Unser Leben mit 2 Hunden, 2 Katzen und 1 Pferd konnte beginnen